Gegen Anwesenheitspflicht!

Für ein selbstbestimmtes Studium!

Da sitzt mensch im Seminar und auf einmal segelt eine Anwesenheitsliste auf den Tisch. Mensch reibt sich kurz die Augen und fragt sich, ob mensch die falsche Abbiegung genommen hat und statt an der Uni wieder in der Schule angekommen ist – die*der Dozent*in aber bekräftigt, dass bei ihm Anwesenheit Voraussetzung dafür ist, um am Ende die Prüfungsleistung erbringen zu können. So ein Unfug! In der 2010 vom Rektorat beschlossenen Qualitätsrichtline ist festgeschrieben, dass es an der Uni Bremen keine prüfungsrelevante Anwesenheitspflicht gibt. Leider halten sich viele Dozent*innen nicht daran – und statt für die konsequente Umsetzung dieser Regelung einzutreten, diskutiert der Konrektor für Studium und Lehre die Wiedereinführung einer sog. “intelligenten” Anwesenheitspflicht. Die Bremer Bürgerschaft erarbeitet derzeit eine Novelle des BremHG, welche das Thema Anwesenheitspflicht anschneidet. Auch hierbei kann es zu einer Verschlechterung der Situaiton kommen.

Jegliche Anwesenheitspflicht benachteiligt jene massiv, die aufgrund ihrer Lebensumstände nicht dazu in der Lage sind, die Anwesenheitsquote zu erfüllen.
Studierende mit Kind, mit zu pflegenden Angehörigen, Studierende, die jobben müssen, oder aufgrund von Krankheit eingeschränkte Studierende werden durch eine solche Regelung ausgeschlossen. Eine Regelung über „Ausnahmen“ zwängt Studierende mit alternativen Lebensumständen in einen Sonderstatus, verhängt eine Rechtfertigungs- und Offenbarungspflicht über sie und steht dem Gedanken der Inklusion somit entgegen.
Zudem widerspricht eine Anwesenheitspflicht einem selbstbestimmten Studium, das jede*r nach eigenem Ermessen und an ihren*seinen individuellen Bedürfnissen ausgerichtet gestalten kann. Sie entmündigt Studierende, indem sie ihnen eine bestimmte Art des Lernens aufzwingt, und formuliert einen nicht legitimierbaren Disziplinierungsanspruch.
Interesse an einer Veranstaltung oder ihren Inhalten lässt sich nicht erzwingen. Wenn ein Seminar didaktisch schlecht gemacht ist, wird es qualitativ nicht besser, nur weil mehr Teilnehmer*innen reingezwungen werden. Wenn es Inhalte behandelt, mit denen Teilnehmer*innen bereits vertraut sind, oder die sich diese alleine besser erarbeiten können, als im Seminar, ergibt eine Teilnahme kaum Sinn.

Haltet die Ohren und Augen auf, in welchen Veranstaltungen das Thema aktuell ist, und macht mit und ohne uns immer wieder deutlich, dass wir selbstbestimmt studieren wollen! Mit KRALLE wird der AStA sich nicht an einer Debatte über die Wiedereinführung jeglicher Anwesenheitspflicht beteiligen, sondern vehement versuchen, diese zu beenden!

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